{"id":3714,"date":"2022-05-20T07:26:20","date_gmt":"2022-05-20T07:26:20","guid":{"rendered":"https:\/\/lunaworld.blog\/?p=3714"},"modified":"2022-05-20T07:29:32","modified_gmt":"2022-05-20T07:29:32","slug":"die-kinderjahre","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lunaworld.blog\/index.php\/2022\/05\/20\/die-kinderjahre\/","title":{"rendered":"Die Kinderjahre"},"content":{"rendered":"\t\t<div data-elementor-type=\"wp-post\" data-elementor-id=\"3714\" class=\"elementor elementor-3714\" data-elementor-post-type=\"post\">\n\t\t\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-d829c47 elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"d829c47\" data-element_type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-0fca82b\" data-id=\"0fca82b\" data-element_type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-2e8f21f elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"2e8f21f\" data-element_type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<p>Ich wuchs in einer typischen Schweizer Arbeiterfamilie auf und bekam die Werte der Arbeiterklasse vermittelt. Frauen hatten damals nicht viel zu sagen und Frauenbewegungen gab es noch nicht. Also tat die Mutter einfach ihre Pflicht, wie man es von ihr erwartete: Kindererziehung, Putzen, Kochen und den Mund halten. Bei uns zuhause wurde viel gestritten und manchmal kam es auch zu Handgreiflichkeiten. Unsere Familientreffen verliefen meistens unharmonisch. Geh\u00e4ssigkeit und Wut anstelle von Liebe und Zuneigung. Ich dachte <em>\u201eDie Sprache der Vernunft scheint nicht in diesen Erwachsenen-K\u00f6pfen zu existieren\u201c.<\/em> Was auch immer mein Bruder und ich fragten oder sagten, unser Vater widersprach und wollte uns eines Besseren belehren. Allerdings klangen seine Argumente nie sonderlich vern\u00fcnftig, oder waren nicht verst\u00e4ndlich begr\u00fcndet. Er kannte nur einen einzigen Ma\u00dfstab: Geld! Leistungen anderer Art z\u00e4hlten f\u00fcr ihn anscheinend nicht. Was ich durch meinen Vater erlernte, war das Skifahren, Fischen und das suchen von leckeren Waldpilzen. Ein Wissen, welches ich heute noch anwende und \u00fcberaus dankbar daf\u00fcr bin.<\/p><p>Wie dem auch sei, es ist nicht sehr verwunderlich, dass auch f\u00fcr mich irgendwann Geldverdienen zum wichtigsten Lebensinhalt wurde.<\/p><p>Manchmal mussten wir Kinder Schl\u00e4ge einstecken. Wenn meine Mutter das liest wird sie vermutlich denken: <em>\u201eThomas, bitte \u00fcbertreibe nicht. Du bist nicht sehr oft geschlagen worden!\u201c<\/em> Nun, die seelischen Verletzungen schmerzten mehr als die k\u00f6rperlichen. Die physischen Hiebe waren gr\u00f6\u00dftenteils Ohrwatschen. \u00a0<\/p><p>Einige waren bestimmt begr\u00fcndet, weil als kleiner Junge kam ich auf die glorreiche Idee, mit einem Hammer ausger\u00fcstet die Fensterscheiben des Gesch\u00e4ftes meines Gro\u00dfvaters zu zerschlagen. Ein sch\u00f6ner Klang, wie die Scheiben ohrenbet\u00e4ubend klirrten. Es machte mir einen solchen Spa\u00df das ich ungef\u00e4hr 20 St\u00fcck in der Gr\u00f6\u00dfe von 50x50cm einschlug.<\/p><p>Die Antwort auf meine Handlung waren gef\u00fchlte 20 Ohrwatschen. Einmal habe ich das trockene Grass einer Wiese in Brand gesetzt. Nur mit Gl\u00fcck und dem Einsatz eines Mannes, der das ganze beobachtete, wurde das Feuer unter Kontrolle gebracht, bevor es das naheliegende Holzhaus erfassen konnte. Besonders clever war gefundene Munition auszuprobieren. Die Patrone habe ich auf einen Stein gelegt und mit einem anderen Stein darauf geschlagen. P\u00e4mm! Solche Experimente endeten dann in einer Notl\u00fcge.<\/p><p>Der Arzt meinte: Da ist doch eine Kleinkaliberkugel im Bauch?<em> \u201e<\/em><em>Was? Ups, das kann durchaus sein. Klar doch!\u201c <\/em>Und wie kommt die da rein? <em>\u201e<\/em><em>Ich habe es genau gesehen, jemand aus dem Wald hat mit einem Luftgewehr auf mich geschossen. Wissen Sie wir spielen mit dem Nachbardorf gerade Kriegsspiele.\u201c<\/em> Aha? Soso! Du hattest Gl\u00fcck, die Kugel ist nur knapp an der Pulsader im Bauch vorbei. Die Kugel kann man drin lassen, sie ist nicht gro\u00df<em>. <\/em><em>\u201e<\/em><em>Sind Sie sicher?\u201c<\/em> Ganz sicher. <em>\u201e<\/em><em>Okay, in Ordnung. Uff!\u201c<\/em> \u00a0Zum guten Gl\u00fcck nichts Ernstes.<\/p><p>Wir waren schon verr\u00fcckte Kerle und haben uns Baumh\u00e4user mit gestohlenen Holzbrettern des benachbarten Baugesch\u00e4ftes gebaut und mit den selbst geschnitzten Steinschleudern uns gegenseitig beschossen. Ausversehen habe ich Urban eine spitzig scharfe Zaunraffe in das Gesicht gespickt! B\u00e4m! Da steckte sie nun in seinem zarten Kindergesicht. Gott sei Dank nur knapp unter seinem Auge, schreiend und blutend ist er Nachhause gerannt. Es ging nicht lange bis das Telefon bei meiner Mutter klingelte. Die Mutter von Urban hatte keine Freude an unserem Treiben. Verst\u00e4ndlicherweise gab es zuhause wieder eins auf die Kappe. Wir sind durch selbst gelegte Feuer gesprungen, welche wir mit Hilfe von gestohlenem Benzin entfachten, oder haben uns Molotowcocktails gebaut und diese im nahe gelegenen Kieswerk zur Explosion gebracht. In der Winterzeit sind wir mit den Skiern \u00fcberall hinuntergefahren und dabei habe ich einmal eine Lawine ausgel\u00f6st. Mit viel Gl\u00fcck konnte ich mich an dem letzten Grasb\u00fcschel, bei der Schneeabbruchstelle festhalten, ansonsten w\u00e4re ich \u00fcber die Felskante gest\u00fcrzt. Damit ich die Fahrt fortsetzen konnte musste ich die Skis abschnallen und bin Zu-fu\u00df zu dem n\u00e4chsten Schneefeld gegangen.<\/p><p>Als Junge durfte ich mit dem Zug zu den Gro\u00dfeltern nach Deutschland in den Sommerurlaub fahren. Dort lernte ich viel \u00fcber das Leben und \u00fcber den famili\u00e4ren Zusammenhalt. Diese Erfahrungen haben mich mutiger gemacht und mein Selbstvertrauen gest\u00e4rkt. Schlie\u00dflich unternahm ich die lange Reise nach Deutschland ohne Begleitung und dachte mir w\u00e4hrend der Zugfahrt: <em>\u201eWenn ich schon als kleiner Junge ganz allein nach Deutschland reisen kann, dann m\u00fcsste ich mich unabh\u00e4ngig in der Welt zurechtfinden k\u00f6nnen?\u201c<\/em><\/p><p>Mein zweiter Gro\u00dfvater aus Deutschland war im zweiten Weltkrieg in Stalingrad an der Front. Ich ziehe meinen Hut vor ihm, denn er musste Grauenvolles durchleben. Er wurde von einem Granatensplitter am Arm getroffen und hatte aber Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck denn dank seiner schweren Verwundung \u00fcberlebte er das Drama im Hexenkessel von Stalingrad. Danach konnte er diese Hand nie wieder gebrauchen und an Arbeiten war deshalb nicht zu denken.<\/p><p>Trotz seiner Verletzung hat er die Lebensfreude nie verloren und wir gingen jeden Tag mit dem Hund (Fifi) in den nah gelegenen Laubwald spazieren und brachten dort morsche B\u00e4ume zu Fall, bis eines Tages meinem Gro\u00dfvater ein dicker Ast auf die Nase krachte.<\/p><p>Blutend, aber doch mit einem lachenden Auge verlie\u00dfen wir den Wald, um sp\u00e4ter zur\u00fcckzukehren und weiter herumzualbern. Viel Zeit verbrachte ich auch in dem im Dorf gelegenen Freibad. In diesem gab es einen beeindruckenden 10-Meter-Sprungturm. Schwimmen erlernte ich mit sieben Jahren in einem Sommerurlaub am Mittelmeer. Niemand k\u00fcmmerte sich um mich und \u00fcberpr\u00fcfte was ich im Wasser trieb.<\/p><p>Auf diese Weise bin ich beinahe ertrunken. Es war folgenderma\u00dfen, dort gab es diesen ca. 1.5 \u2013 2 Meter hohen Wellengang. Diese Wellen waren meistens sehr konstant in den Abst\u00e4nden. Beim H\u00fcpfen und Tauchen in den Wellen war der Abstand f\u00fcr einmal nicht regelm\u00e4\u00dfig, sondern es folgten zwei Wellen kurz aufeinander.<\/p><p>Dieser Umstand und die Wucht der nachfolgenden Welle \u00fcberraschten mich derma\u00dfen, dass ich ohne einatmen unter Wasser gezogen wurde. Hechelnd und hustend habe ich es irgendwie geschafft den Fluten zu entrinnen. Ein Freibad gab es bei uns in den Bergen nicht, daf\u00fcr hatten wir viele M\u00f6glichkeiten zum Wandern, Klettern und alle erdenklichen Wintersport M\u00f6glichkeiten.<\/p><p>Thema: <em>\u201eBergsteigen\u201c <\/em>Da f\u00e4llt mir eine weitere Geschichte ein. Zusammen mit meinem Freund Martin bin ich an einer \u00fcberaus gef\u00e4hrlichen Felswand hochgeklettert. Als ich realisierte, dass jetzt nur ein falscher Handgriff zum Absturz gen\u00fcgte und weiter oben auch noch die Steinb\u00f6cke und G\u00e4msen am herumklettern waren, schoss mir der Gedanke durch den Kopf. Jetzt, ein von den Tieren losgetretener Stein k\u00f6nnte hinunterrollen und mich t\u00f6dlich treffen. Wegen diesen Gedanken geriet ich in Panik. Wie vom Blitz getroffen wurden meine Beine butterweich! Was tun? Ich wusste das der Abstieg auf der anderen Seite der Wand leichter sein w\u00fcrde. In der Schockstarre wartete ich eine Stunde bis ich endlich Mut fasste, um ganz nach oben zu klettern. Seither wei\u00df ich, dass ich nicht schwindelfrei bin und ich es mit dem Bergsteigen sein lassen sollte.<\/p><p>Meine Naturverbundenheit erlangte ich nicht nur beim Gro\u00dfvater in Deutschland, unteranderem auch durch die Winterlichen Wildtierf\u00fctterung mit Eugen. Eugen war Angestellter bei der \u00d6rtlichen M\u00fcllabfuhr und in seiner Freizeit besch\u00e4ftigte er sich mit den Wild-Tieren. Das faszinierte mich und wir bepackten an vielen kalten grauen Wintertagen Planen mit Heu, Salzsteinen und Tresterabf\u00e4llen.<\/p><p>(Trester sind die vorwiegend festen R\u00fcckst\u00e4nde, die nach dem Auspressen des Saftes von Obst, Gem\u00fcse oder Pflanzenbestandteilen, wie \u00c4pfeln, Weintrauben, Karotten oder Tomaten \u00fcbrigbleiben)<\/p><p>In diesen mit Plastik beschichteten Planen zogen wir das Futter durch die tief Verschneiten W\u00e4lder zu den Futterstationen.\u00a0 Von den Anstrengungen schwei\u00dfgebadet, stopften wir das Futter in die daf\u00fcr vorgesehenen Beh\u00e4lter. Danach kletterten wir auf die im Sommer errichtete Beobachtungsplattform.\u00a0<\/p><p>Dabei ergaben sich unglaublich sch\u00f6ne Begegnungen mit Hirschen, Rehen, F\u00fcchsen, Hasen, G\u00e4msen und Steinb\u00f6cken, welche mich bis heute pr\u00e4gen. Ein Erlebnis war au\u00dfergew\u00f6hnlich: Immer im Fr\u00fchling von M\u00e4rz-April wenn der Schnee geschmolzen ist, ging ich die abgeworfenen Hirsch oder Rehbock-Geweihe suchen. Auf einer dieser Suche beginnt pl\u00f6tzlich der Untergrund wie bei einem Erdbeben zu zittern. Anf\u00e4nglich wusste ich nicht was das war, wie aus dem Nichts rannten mir ein Rudel von ca. drei\u00dfig Hirschen und Hirschk\u00fchen entgegen. Zu Tode erschrocken, h\u00fcpfte ich schutzsuchend hinter einen m\u00e4chtigen Tannenbaum. Die wahrscheinlich von einem Hund auf gescheuten Tiere bleiben auf wundersame -weise um mich stehen. Die haben mich vor lauter Stress gar nicht bemerkt.\u00a0 Was f\u00fcr ein \u00fcberw\u00e4ltigender und zugleich auch ein be\u00e4ngstigender Eindruck, solche stolze Tiere in Ber\u00fchrungsdistanz zu erleben. Ihren in der kalten Luft dampfenden Atem auf Augenh\u00f6he zu f\u00fchlen ist einfach unbeschreiblich. Dennoch war ich erleichtert als sie sich gem\u00e4chlich von mir weg in den Wald entfernten.<\/p><p>Es g\u00e4be noch manch weitere Anekdote aus dieser Zeit zu erz\u00e4hlen.<\/p>\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich wuchs in einer typischen Schweizer Arbeiterfamilie auf und bekam die Werte der Arbeiterklasse vermittelt. Frauen hatten damals nicht viel zu sagen und Frauenbewegungen gab es noch nicht. Also tat [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":934,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"elementor_header_footer","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-3714","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-burnout"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/lunaworld.blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3714","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/lunaworld.blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/lunaworld.blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lunaworld.blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lunaworld.blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3714"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/lunaworld.blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3714\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3722,"href":"https:\/\/lunaworld.blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3714\/revisions\/3722"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lunaworld.blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/934"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/lunaworld.blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3714"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/lunaworld.blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3714"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/lunaworld.blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3714"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}